Archiv der Kategorie 'Allgemein'

Huhu, Weltgeist

In der Rezension zu „Es geschieht am hellichten Tag“, schriebst du: „Außerdem ein Interview mit Holger Kind, Kriminalhauptkommissar in der Abteilung Kinderpornografie“
Großartig ! Immer dein – proletarischer Club

Nach dem Kanzlerduell

DAS hätte sich Steinmeier nicht erlaubt. Angela Merkel vs Karin Struck

Pohrt: Zivilisation einfach gemacht

Über 2 Ecken bei crull, auf folgenden Satz von Wolfgang Pohrt gestoßen:

Wenn ich meinem Nachbarn auf dem Podium eine Ohrfeige gebe, darf ich von ihm keine freundliche Belehrung erwarten [Herv, HL]. Wahrscheinlich zahlt er erstmal mit gleicher Münze zurück. Im Interesse des Erkenntnisfortschritts ist das auch richtig. Denn erst wenn ich den gleichen Schmerz auf meiner Wange spüre, den er auf seiner spürt, ist die Verständigungsgrundlage da, um gemeinsam über die Vorteile des Gewaltverzichts zu reden, nicht bloß so daher, sondern aus tief empfundener Überzeugung.

Podiumsschlägerei zugunsten des Fortschritts. DAS ist progressive linke Politik. Wer die Vorteile einer Daunenjacke begreifen will, muss erstmal nackt durch den Schnee laufen.

Die neue Bahamas

Wer liest eigentlich noch die Bahamas ? Kaum einer. An den Inhalten kann’s nicht liegen. Die Bahamas braucht ein neues Outfit. Zusammen mit McMammon von OSC haben wir ein Produkt erarbeitet, das sich sehen lassen kann:

Bahamas im Neon-Look

Kurze Polemik gegen falsche Freunde

Aus gegebenem Anlaß und wie versprochen einige herablassende Bemerkungen über den radikalen Liberalismus. Ich hab in meinem vorigen Beitrag ein Argument erbracht, warum ein Kapitalismus ohne Staat nicht funktionieren kann. Das soll am Beispiel von anarchistischen Freunden des Handels nochmal verdeutlicht werden.

Die Libertären verraten uns in ihren Grundsätzen:

Wer hier zum ersten Mal von der Idee eines nichtstaatlichen, kommerziellen Rechtsystems liest, der schüttelt wahrscheinlich gerade den Kopf. Denn wer dies lesen kann, der hat vermutlich schon einige Jahre, ja wahrscheinlich seine prägensten Jahre in einer Gesellschaft und einem Bildungssystem verbracht, in dem einem als Lösung für gesellschaftliche Probleme immer nur Monopollösungen aufgezeigt, ja einem regelrecht Angst vor anderen Ansätzen gemacht wurde. Aus dieser Prägung heraus kommen wahrscheinlich sofort Bedenken auf wie „im Anarcho-Kapitalismus würden die Reichen eine Aristokratie errichten“ oder „ohne staatliche Sozialprogramme würden die Ärmsten unter die Räder kommen, hat man ja damals in Manchester gesehen“ oder „wer kontrolliert die Rechtsunternehmen“, ja vielleicht sogar „ ohne Staat gibt es ja gar kein Geld, wie kann da ein Markt funktionieren?“.

Das sind alles sehr verständliche Bedenken, die aber aus einem Unwissen über das funktionieren von Märkten herrühren.

Über das Funktionieren von Märkten verraten sie uns in ihrer Theroriespalte lieber nichts. Ein Witz, wenn einem väterlichen Erklärungsgetue keine Erklärung folgt. Ein besserer Witz ist, wenn Anarchisten polemisch werden:

Zur inneren Sicherheit kann man sagen, dass diese nicht nur ohne Staat möglich ist. Sie ist im Grunde NUR ohne Staat möglich.

Wie die „Etatisten“ ! Freiheit, Gleichheit, Eigentum & Sicherheit. Wessen Sicherheit und vor was ? Nun die Sicherheit, dass jedem sein Reichtum gehört (Recht auf Eigentum, Schutz vor Diebstahl), die Sicherheit, dass jeder, der genügend davon hat, Zugriff auf fremde Arbeit hat (Gewerbefreiheit, Gültigkeit von Arbeitsverträgen, usw.) Letzteres ist, auch um anderen Utopisten über den Mund zu fahren, notwendig die Produktionsweise des Privateigentums. Eine Gesellschaft des Privateigentums impliziert den Markt, der impliziert die Konkurrenz der Produzenten, die wiederum impliziert, dass jeder seine Produktion ständig verbilligen will, das benötigt Investition, die benötigt Mehrwert, der entspringt aus der Bewegung des Kapitals. Wer produziert den Mehrwert ? Das Humankapital, das weniger an Wert als Lohn erhält als es de facto herstellt. (Da hilft auch kein Lassalle. Das einzige Privileg von Angestellten einer Genossenschaftsbank besteht darin, dass sie sich selber ausbeuten dürfen.) Der Interessensgegensatz von Arbeitern, die möglichst viel vom gesellschaftlichen Reichtum mit möglichst wenig Mühe erreichen wollen, und Kapitalisten, die eben diese Mühe umso mehr schätzen, je weniger Geld sie kostet, ist in einer Gesellschaft des Privateigentums zwingend. Hier kommt die Sicherheit ins Spiel. Man muss es schließlich erstmal fertigbringen, dass sich die Arbeiter das Produzierte wegnehmen lassen, um dann einen geringen Teil (!) davon zurückkaufen zu können. Selbstverständlich geht jeder Arbeiter klauen, wenn mal – wie in Kanada 1969 – die Polizei streikt. Es braucht eine Macht, die das den Arbeitern gewaltsam untersagt. Zwar sind alle (auch die Unternehmer) den gleichen Gesetzen unterworfen, aber welcher Kapitalist will denn schon bei Karstadt Klamotten klauen ? Wird von Sicherheit des Eigentums geredet, so ist die Sicherheit des Unternehmers vor seinen Sklaven gemeint. Wie will der Libertäre diese Sicherheit nun ohne einen Staat durchsetzen ?

Nehmen wir einmal an, Sie spazieren eines schönen Tages auf ihrem Lieblingsweg und beobachten plötzlich, wie ein junger Mann, einer Frau die Handtasche aus der Hand reißt und wegrennt. Was würden Sie dabei wohl denken bzw. wie würden Sie reagieren? Sie würden dies wahrscheinlich für Unrecht halten und würden vielleicht sogar versuchen etwas gegen dieses Unrecht zu unternehmen.

Aber warum empfinden Sie das Gesehene als Unrecht? Vielleicht weil der Staat es verboten hat? Es gibt in unserem Staat mit Sicherheit irgendeinen Paragraphen, der das Verhalten dieses Mannes für illegal erklärt. Aber wäre dieser Paragraph wirklich die Grundlage ihres Denkens und Handelns in diesem Moment? Denken sie wirklich „das verstößt aber gegen Paragraph XY“? Wohl kaum. Sie empfinden dies einfach als Unrecht, unabhängig davon, ob ihnen dabei irgendeine staatliche Institution Recht gibt oder nicht.

Erst schimpfen die Libertären über das staatlich monopolisierte Schulwesen, usw – dann beweisen sie sich als verständige Oberstüfler. Das Argument gegen den Staat: Naturrecht. Wie lächerlich ! Ja wenn so eine Abstraktion a priori wäre, müsste man sie doch niemandem beibringen (und es würde auch niemand gegenteilig handeln). Recht ist eine Erlaubnis und Erlaubnisse setzten Autorität vorraus. Da ist es auch schon egal, wenn die Übertretung eine elterliche Ohrfeige oder ein paar Sozialstunden einbringt. Gewalt ist immer im Spiel. Das wissen auch die Libertären:

Was hat das jetzt mit Recht zu tun? Recht ist im Prinzip nichts anderes als Brot. Es gibt eine Mehrheit der Bevölkerung, die ein Interesse an bestimmten Rechten hat. Dann werden sich auch ein paar clevere Geschäftsmänner finden, welche die Sicherung dieser Rechte übernehmen, indem sie die Rechtsbrecher jagen.

Was für ein Staatsbewusstsein: Was soll denn der Staat anderes sein als eine Ansammlung von Leuten, die sich dafür bezahlen lassen in einem bestimmten Gebiet Rechte durchzusetzen ? Man vergleiche nur mal folgenden Abschnitt mit der Geschichte bürgerlicher Staaten:

Es gibt an dieser Stelle aber noch einen Einwand, den man machen könnte. Was ist, wenn eine Rechtsagentur nicht versucht über den Markt ihr Geld zu verdienen, sondern versuchen würde andere Rechtsagenturen mit Waffengewalt vom Markt zu verdrängen? Wenn ihr dies gelänge, wäre das schließlich sehr effektiv, da man als Monopolist, seine eigene kleine Diktatur einrichten könnte. Dazu muss man sagen, dass man so einen Versuch sicherlich nicht zu 100% ausschließen kann, es aber sehr unwahrscheinlich ist, dass es dazu kommt.

Ich kann das nur einen derben Spaß halten. Was sind denn Revolutionen anderes, als dass Leute, die das Geld haben sich zu bewaffnen, gegen eine „Rechtsagentur“ opponieren ? Wie entsteht denn ein bürgerlicher Staat ? Wie kommt’s, dass sich aus dem realen Wilden Westen Staaten entwickelt haben ? Genau dadurch: Eine Gruppe von Leuten schließt sich zusammen und setzt mit Gewalt Rechte gegen andere durch. Ja, Staaten führen Kriege gegeneinander um ökonomischen Einflussbereich, aber Rechtsagenturen, die bleiben friedlich. Lachhaft.